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Die Geschichte der Gew├╝rzvanille: von den Azteken bis in unser Lieblingsdessert

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Es gibt wohl niemanden, der ihren Geschmack nicht kennt und liebt, und aus vielen S├╝├čspeisen ist sie gar nicht wegzudenken. Ganz klar: Die Rede ist von unserem Lieblingsgew├╝rz, der Vanille. Doch so selbstverst├Ąndlich wie heute war ihr Genuss nicht immer. Erfahre hier alles ├╝ber den langen Weg, der die Gew├╝rzvanille aus ihrer kleinen Schote bis hinein direkt in unsere Herzen gef├╝hrt hat.

Fr├╝her Beginn bei den Azteken

Lange bevor die kleine Vanilleschote sich auf die Reise nach Europa machte, war sie den Azteken im heutigen Mexiko bereits unter dem Namen ÔÇ×CacixanatlÔÇť ein Begriff. Die Azteken selbst jedoch kamen mit der Gew├╝rzvanille erst in Ber├╝hrung, nachdem ihr Herrscher Itzco├átl das Volk der Totonaken unterwarf. Diese waren ├╝ber lange Zeiten n├Ąmlich die einzigen, die in der Lage waren, die Vanillepflanze anzubauen. Es rankten sich Legenden um die Pflanze, die besagten, dass sie dem Leib einer verstorbenen Prinzessin entstammte. So kam es dann auch, dass die Totonaken einen Teil ihres Tributes an ihren neuen Herrscher in Vanille entrichten mussten. Die Azteken waren als Entdecker des Kakaos, in ihren Worten noch Xocolatl, hin und weg von dem f├╝r sie bis dahin unbekannten Gew├╝rz. ├ťber den sp├Ąteren Aztekenherrscher Montezuma II. hat sagte man nach, dass er t├Ąglich um die 50 Portionen eines Vanille-Kakao-Gemischs genoss.

Von den Azteken ├╝ber die Spanier nach Europa

Bei den Azteken lernte der ber├╝hmt-ber├╝chtigte Spanier Hern├ín Cortez die Gew├╝rzvanille kennen und brachte diese, neben anderen Exponaten wie Kakao und einigen exotischen Tierarten, in sein Heimatland. Dort angekommen dauerte es jedoch noch einige Zeit, bis die Spanier mit dem neuartigen Gew├╝rz warm wurden. Lange Zeit betrachtete man Vanille eher als abrundendes Gew├╝rz f├╝r Schokolade. Das ist nat├╝rlich auch nicht ganz unpassend, rundet die Gew├╝rzvanille doch perfekt den bitteren Geschmack des Bohnenerzeugnisses ab. Dennoch konnte sich Spaniens High-Society schlie├člich f├╝r die s├╝damerikanische Vanilleschote erw├Ąrmen, jedoch blieb das Gew├╝rz den reicheren Gesellschaftsschichten vorbehalten. Spanien besa├č das Monopol auf die Vanilleschote und h├╝tete es derartig streng, dass eine illegale Ausfuhr mit dem Tode bestraft wurde. Dies konnte jedoch nicht verhindern, dass die Gew├╝rzvanille ihren Weg nach Gro├čbritannien fand, wo der findige Apotheker Hugh Morgan eine vanillehaltige S├╝├čspeise kreierte, von der selbst Queen Elizabeth I. nicht genug bekommen konnte.
Aus den darauffolgenden 1780er-Jahren ist bekannt, dass Thomas Jefferson, zu seiner Zeit als Au├čenminister in Frankreich, das Vanilleeis von den Franzosen kennenlernte. Diese w├╝rzten schon seit einiger Zeit ihre Eiscreme so, dass Jefferson derartig verz├╝ckt war, dass er das Rezept niederschrieb und mit in seine Heimat nahm, wo es noch heute in der Library of Congress zu finden ist.
Nachdem Mexiko im Jahre 1810 seine Unabh├Ąngigkeit erlangte, gelangten Ableger der Vanilleschote, beziehungsweise der Vanille-Orchidee in die Botanischen G├Ąrten Frankreichs und den Niederlanden. Hier tat sich jedoch ein Problem auf: Man war nicht in der Lage, Samen der empfindlichen Orchidee zu gewinnen. Erst im Jahre 1836 sollte der belgische Landsmann Charles Morren entdecken, dass der Grund hierf├╝r ein simpler war: Die Bienen, die in der Herkunftsregion der Vanille daf├╝r zust├Ąndig sind, die Orchidee zu best├Ąuben, sind in den hiesigen Regionen schlicht nicht heimisch. Morren gelang es 1837 ein Verfahren zur k├╝nstlichen Befruchtung der Pflanzen zu entwickeln, dieses erwies sich jedoch als sehr aufwendig.
Bereits im Jahre 1819 begannen die Niederl├Ąnder mit ihren Versuchen, die Vanille-Orchidee auf ihren Kolonien in Java zu kultivieren, 1822 brachten die Franzosen sie auf die im indischen Ozean gelegene Insel La R├ęunion, die bis 1848 noch unter dem Namen ├«le Bourbon bekannt war. Von dieser sollte die heute bekannte Bourbon-Vanille auch ihren Namen erhalten.
Dieser Ort war es auch, an dem der junge Sklave Edmund Albius ein simpleres, jedoch nicht unbedingt weniger arbeitsintensives, manuelles Verfahren zur Best├Ąubung der Vanille-Orchidee finden sollte, welches letztendlich bis heute noch angewendet wird. F├╝r dieses Verfahren sind eine Menge Erfahrung und Kenntnis der Pflanze vonn├Âten. Normalerweise w├Ąchst die komplette Vanille-Pflanze lianenartig im zick-zack an einem Baumstamm herauf. Dort wachsen die Orchidee-Bl├╝ten und ├Âffnen sich f├╝r ein Zeitfenster von 24 Stunden. In dieser Periode muss die Bl├╝te der Vanille best├Ąubt werden. In der Natur geschieht dies ├╝ber die sogenannte Melipona-Biene, oder durch Kolibris. Geschieht dies nicht, stirbt die Bl├╝te ab und f├Ąllt zu Boden. Die Arbeiter m├╝ssen also den genauen Zeitpunkt abpassen k├Ânnen, indem sich eine Bl├╝te ├Âffnet. Umso bemerkenswerter also die Tatsache, dass ein ge├╝bter Plantagenarbeiter so 1.000 bis 1.500 Pflanzen am Tag best├Ąuben kann.

Madagaskar als f├╝hrende Region im Vanilleanbau

Heutzutage hat sich der Anbauschwerpunkt weg von Mexiko, mehr in Richtung der Insel R├ęunion und vor allem Madagaskars verschoben. So werden auf Madagaskar bis zu 2.000 Tonnen Gew├╝rzvanilleschotten geerntet. Das sind bis zu 80 % der weltweit gehandelten Vanille. Wetterbedingt kommt es hier jedoch zu teils starken Schwankungen, sieht sich die Insel j├Ąhrlich mit h├Ąufig Unwettern konfrontiert. Dennoch steht Madagaskar an erster Stelle beim Vanilleanbau. Dabei ist die Ernte ├Ąhnlich aufwendig wie die Best├Ąubung der Pflanzen. Die Fr├╝chte m├╝ssen einer sogenannten Schwarzbr├Ąunung unterzogen werden. Das hei├čt, dass die Vanilleschote zuerst Hei├čwasser-, oder Wasserdampfbehandelt werden muss. Anschlie├čend wird sie wochenlang in luftdichten Kisten in der Sonne getrocknet. Dabei nehmen die Vanilleschoten ihre bekannte, schwarzbraune Form an und entwickeln ihr einzigartiges Aroma, welches weltweit gesch├Ątzt und geliebt wird.

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